Der Wald als Wohltat für Mensch und Tier |
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«Das Gas kommt vom Jelzin, das Öl vom Hussein und das Holz vom Förster», sagte der neue Oberglatter Förster Michel Kern und sorgte damit für einige Erheiterung unter den 26 Erwachsenen und zwei Kindern, die am Samstag, 16. April, an der Exkursion des Naturschutzvereins Oberglatt teilnahmen. Mit seinem heute von der Geschichte etwas überholten Vergleich wollte der Förster jedoch nicht nur gute Stimmung verbreiten, sondern auch aufzeigen, welche Bedeutung der Wald als Energielieferant hat. Doch sein Wert geht noch weit darüber hinaus: «Der Wald hat eine Schutzfunktion, eine Nutzfunktion und eine Erholungsfunktion», sagte Kern. Schutzfunktion In gebirgigen Gegenden spielt die Schutzfunktion eine grosse Rolle, denn viele Dörfer in den Bergen bleiben vor Katastrophen verschont, weil der Wald Erdrutsche verhindert, Wasser zurückhält, zu Tal donnernde Felsbrocken stoppt und Lawinenniedergänge verhindert. Im Kanton Zürich steht eher die Nutzfunktion und die Erholungsfunktion im Vordergrund. Nutzfunktion Der Wald ist nachhaltig, das heisst, wenn man es geschickt macht, wächst immer soviel nach, wie man nutzt. Zurzeit ist es so, dass mehr nachwächst, als genutzt wird. Genutzt wird das Holz als Brennstoff (Cheminée-Holz, Pellets, Grillkohle), als Bauholz (Konstruktionsholz) und als Industrieholz (Papier, Spanplatten). Dabei ist Holz CO2-neutral; das bedeutet, dass das Holz beim Verbrennen oder Verrotten nur soviel CO2 abgibt, wie es im Verlauf des Wachstums aufgenommen und gebunden hat. Wie der Förster ausführte, kann der Holzpreis beträchtlich schwanken - je nach Nachfrage und Qualität. So kann zum Beispiel der Preis eines Kubikmeters Eiche von einigen 100 bis einigen 1000 Franken variieren. An der letztjährigen Wertholz-Versteigerung, wo jeweils die schönsten Baumstämme verkauft werden, ging zum Beispiel ein von der Furnierindustrie heiss begehrter Riegel-Ahorn für mehr als 10'000 Franken pro Kubikmeter «über den Ladentisch». Förster Kern erklärte den Anwesenden, wie sich die Waldnutzung entwickelt und verändert hat. Er veranschaulichte die früheren Bewirtschaftungsformen wie Niederwald, Mittelwald und Hochwald und kam dann auf die moderne Waldbewirtschaftung zu reden. Diese ist auf einen Dauerwald ausgerichtet. Der Förster sorgt mit seinem Forstteam dafür, dass die Bäume in allen Entwicklungsstufen vertreten sind. Erholungsfunktion Gerade in der dicht besiedelten Umgebung der Stadt Zürich spielt die Erholungsfunktion des Waldes eine wichtige Rolle. Spaziergänger, Hündeler, Jogger, Jäger, Pilzsammler, Orientierungsläufer und Velofahrer nutzen unsere Wälder für ihre Tätigkeit. Da im Waldgesetz festgeschrieben ist, dass der Wald - egal ob im Privat- oder im öffentlichen Besitz - für alle zugänglich sein muss, wird er von Erholungssuchenden stark frequentiert. Dies hat oft auch negative Folgen, seis, wenn Abfall liegengelassen wird, Pflanzen und Bäume beschädigt werden oder seis, wenn der Mensch in die Rückzugsgebiete der Wildtiere eindringt. Lebensraum Werden die Rückzugsgebiete der Wildtiere im Wald zu oft gestört, führt dies zu einer Verarmung der natürlichen Lebensvielfalt im Wald. Deshalb wird in den Gemeinden festgelegt, welche Vorrangsfunktion ein Wald hat. «Im Dickloo-Wald steht die Erholungsfunktion im Vordergrund», sagte Kern. In einem Wald wie jenem der Glattaltläufe zwischen Oberglatt und Rümlang steht der Naturschutz an erster Stelle. Dennoch, auch im Dickloo-Wald ist zumindest in Bezug auf die Vogelwelt eine beachtliche Vielfalt feststellbar: Regelmässig brüten dort Arten wie der Waldkauz, der Rotmilan oder der Pirol. Dauerbewohner sind auch der Buntspecht und der Grünspecht. An vielen Bäumen hat auch der Schwarzspecht seine Hackspuren hinterlassen, und auch der seltene Mittelspecht ist in diesem kleinen Wald schon gesichtet worden. Gerade für den Mittelspecht könnten sich die Lebensbedingungen im Dickloo-Wald verbessern, ist er doch auf aufgelichtete Wälder mit alten Eichen angewiesen. Und genau einen solchen Wald strebt Förster Michel Kern im Dickloo an. Im vergangenen Winter wurden in einem umfassenden Holzschlag einige Eschen und Buchen sowie die ortsfremden Fichten (Rottannen) gefällt. Dadurch erhalten die grossen Eichen mehr von dem lebensnotwendigen Licht. Das beim Holzschlag anfallende Ast- und Wurzelanschnittmaterial schichten die Forstarbeiter zu Haufen auf und stellen so vielen Tierarten einen Unterschlupf zur Verfügung. «Deshalb sollten diese Holzhaufen später auch nicht angezündet werden», ermahnte Kern. Aus Gründen des Naturschutzes und der Artenförderung räumt der Förster auch möglichst kein Totholz - ob liegend oder stehend - weg. Dies kommt neben ungezählten Insektenarten natürlich auch den Spechten zugute. Im Dickloo-Wald leben auch Säugetiere wie Haselmaus, Waldmaus, Siebenschläfer, Fledermaus, Fuchs, Steinmarder, Eichhörnchen usw. Rehe wurden auch schon gesichtet, doch dürfte es sich nur um «Besuche» handeln, da dieser Wald aufgrund seiner geringen Ausdehnung und aufgrund des grossens Erholungsdrucks durch den Menschen keine geeigneten Rückzugsorte und Einstände für Rehe aufweist. Zum Abschluss der lehrreichen und spannenden Exkursion überreichte NVO-Vorstandsmitglied Irene Rubli dem Förster ein Buch über neue Erkenntnisse, wie Pflanzen miteinander «kommunizieren». Reich an neuen Eindrücken und Erkenntnissen, welche grosse Bedeutung der Wald hat, machten sich die Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer auf den Heimweg. (Text: Cyprian Schnoz, Fotos: Thomas Galliker, Cyprian Schnoz) |
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