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Am
Montag, den 16. Januar 1978, versammelten sich Oberglatter Naturinteressierte
um 20 Uhr im Saal des Restaurant Hirschen zur Gründung des Naturschutzvereins
Oberglatt. Praktisch auf Anhieb traten damals rund 55 Frauen und Männer
dem neuen Verein bei. Gabriela Winkler wurde zur ersten Präsidentin
gewählt. Die treibende Kraft jedoch, die hinter der Gründung
und hinter sämtlichen Aktivitäten des Vereins wirkte, war Rechtsanwalt
Albert Brunner. Er übernahm auch drei Jahre nach der Gründung
des NVO das Präsidium, da sich Winkler zu Studienzwecken ins Ausland
begab. Präsident mit viel Herzblut und unermüdlichem Engagement
blieb Albert Brunner bis zu seinem plötzlichen Hinschied am 30. Oktober
2000.
NVO
als Investition in die Zukunft
Vor dem historischen Gründungsakt am 16. Januar 1978 hielt der Winterthurer
Sekundarlehrer Albert Krebs einen Dia-Vortrag zum Thema «Naturschutz
in der Gemeinde». Albert Brunner und seine Weggefährten hatten
dieses Thema klug gewählt, denn sie sahen, dass die Erhaltung der
Natur eine Investition in die Zukunft und in die Lebensqualität der
Oberglatter Bevölkerung ist.
Die konkreten Anliegen, die zur Vereinsgründung führten, waren
die damals laufende Güterzusammenlegung (Melioration), das Bestreben,
ein kommunales Inventar der schützenswerten Naturobjekte zu erstellen,
und das Anliegen, im Chliriet einen Nassstandort einzurichten. «Naturschutz
ist zweifellos zu einer modernen Gemeindeaufgabe geworden», schrieb
Brunner in einer Mitteilung, in welcher er am 13. Dezember 1977 die Presse
auf die bevorstehende Vereinsgründung aufmerksam machte. Den Tätigkeitsbereich
des Vereins umschrieb Albert Brunner wie folgt: «Biotopschutz, Tierschutz,
Pflanzenschutz, Information – wobei unter dem Titel Biotopschutz
die Aufnahme eines Inventars aller wertvollen und schützenswerten
Objekte (Hecken, Nassstandorte usw.) und die Pflege von Riedgebieten im
Vordergrund stehen dürfte.» Den Bestrebungen des Naturschutzvereins
Oberglatt werde die Bevölkerung sicherlich das verdiente Interesse
entgegen bringen, «geht es doch um eine Sache, die in der Tat alle
berührt», schrieb Brunner.
Vielfältige
Tätigkeit
Vieles hat der NVO unter Albert Brunners Ägide erreicht. So verfügt
Oberglatt heute über ein detailliertes Inventar der schützenswerten
Naturobjekte, und diese präsentieren sich – nicht zuletzt dank
dem Einsatz des NVO – in einem recht erfreulichen Zustand. In ungezählten
Arbeitsstunden haben die Mitglieder des Naturschutzvereins Oberglatt in
diesen 30 Jahren Hecken gepflanzt und gepflegt, zahlreiche Stein- und
Asthaufen als Lebensraum und Unterschlupf für Amphibien und Reptilien
errichtet, Kästen für brütende Vögel und für
Fledermäuse gebaut, aufgehängt und betreut, Wälder und
Bachborde von Unrat befreit, naturkundliche Exkursionen und Vorträge
mit kompetenten Referenten veranstaltet und vieles mehr.
Speziell erwähnenswert ist zum Beispiel eine grosse Heckenpflanzaktion,
die der NVO in Zusammenarbeit mit der Gemeinde am 11. und 12. April 1986
durchgeführt hat. Wie aus den Akten hervorgeht, wurden damals von
zahlreichen Freiwilligen aus Vereinen und Parteien rund 1600 Sträucher
und Bäume an verschiedenen Orten in Oberglatt gepflanzt. Für
den Kauf der Pflanzen und für die Verpflegung der Helferinnen und
Helfer sprach der Gemeinderat einen Kredit von 5000 Franken.
Da Brunner Dutzende Schlangenarten in seinen Terrarien hielt, lagen ihm
die Reptilien natürlich besonders am Herzen. So wurden in vielen
Aktionen tonnenweise Steine und Äste geschleppt, um für diese
und andere Tiere eine artgerechte Behausung zu bauen. Auch heute noch
werden diese Haufen vom Naturschutzverein gepflegt.
Mit
neuer Strategie Verein am Leben erhalten
Nach dem Tod von Albert Brunner, der quasi als «Mister Naturschutzverein»
den Hauptteil der organisatorischen Arbeit im Alleingang erledigt hatte,
galt es für die verbliebenen Vorstandsmitglieder zu verhindern, dass
der NVO in einen permanenten Winterschlaf falle. Rückblickend kann
festgestellt werden, dass dies auch gelungen ist. Nachdem Patric Kubli
interimistisch das Präsidium für kurze Zeit übernommen
hatte, wählte die Generalversammlung am 22. März 2001 Erich
Gujer zum neuen NVO-Präsidenten.
«Ich verstehe nichts von Naturschutz, aber einiges von Vereinsführung»,
sagte Gujer bei seinem Amtsantritt und stapelte – was sein Wissen
in Bezug auf den Naturschutz angeht – doch recht tief. In der Folge
wurden einige Vorstandssitzungen geopfert, um eine neue Strategie für
den Verein zu erarbeiten. Aber auch während dieser Zeit der Neuorientierung
liess der NVO seine selbst auferlegten Arbeiten nicht liegen – das
reich befrachtete Jahresprogramm konnte sich auch in den Folgejahren durchaus
sehen lassen.
Jugendgruppe
ins Leben gerufen
Ein besonderes Erfolgserlebnis hatte der NVO-Vorstand zum Beispiel im
Jahr 2005, als die Verantwortlichen des Altersheims Siloah ihr Einverständnis
gaben, dass an einem ihrer Gebäude acht Nistgelegenheiten für
Mauersegler geschaffen würden. Diese werden auch genutzt, wie Beobachtungen
ergaben.
Ein grosser Publikumserfolg waren und sind auch die neu eingeführten
Jahreszeitenspaziergänge durch die Oberglatter Natur. Diese zeichnen
sich nicht nur durch ihren naturkundlichen, sondern auch ihren gesellschaftlichen
Wert aus. Erwähnenswert ist auch der ins Leben gerufene Familienparcours
«Der Natur auf der Spur», der zweimal mit grossem Erfolg veranstaltet
worden ist und künftig im Zweijahresrhythmus stattfinden soll.
In der «Nach-Brunner-Ära» setzte sich der NVO-Vorstand
auch für eine Intensivierung und Modernisierung der Öffentlichkeitsarbeit
ein. Es wurde ein jährlich neu aufgelegter Prospekt – neudeutsch
Flyer genannt – geschaffen. Zudem ist der Verein heute mit einer
Website im Internet unter www.naturschutzverein.ch präsent.
Als jüngstes «Kind» der Vorstandsanstrengungen kann die
Gründung der Jugendgruppe für Kinder im Alter von etwa 9 bis
13 Jahren durch die beiden Vorstandsmitglieder Cyprian Schnoz und Thomas
Galliker genannt werden. Sowohl am Schnupperanlass wie auch an der ersten
Veranstaltung, die im September und Oktober 2007 durchgeführt worden
sind, zeigte sich, dass gerade Kinder für unsere Natur zu begeistern
sind. Bereits zählt die Jugendgruppe über 20 Mädchen und
Knaben.
Das
«Albert Brunner-Biotop»
Im nun beginnenden Jubiläumsjahr will der Verein, der inzwischen
auf knapp 120 Mitglieder angewachsen ist, auf seinen Werdegang zurück
blicken, aber dabei die Zukunft nicht ausser Acht lassen. Ein Projekt,
das Vergangenheit und Zukunft in geradezu idealer Weise zusammenbringt,
ist das nun beim Forbuck entstehende Biotop, das mit dem Legat Albert
Brunner, aus Mitteln des NVO und mit einem namhaften Beitrag des Kantons
Zürich finanziert wird. Sollte alles planmässig verlaufen, wird
die Einweihung dieses Biotops der Höhepunkt des NVO-Jubiläumsjahrs
sein. (Cyprian
Schnoz)
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Albert Brunner
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