Am 12. April 1986 pflanzten rund 50 Helferinnen und Helfer aus den Reihen des Naturschutzvereins und der Ortsparteien bei misslichem kaltem Wetter Hecken. Die grosse Aktion fand in der Presse ihren Niederschlag. Im Bild sind Ruth Schürmann (links) und Ernst Schaub (rechts) damit beschäftigt, einen Wolligen Schneeball zu setzen.

 

30 Jahre Naturschutzverein Oberglatt (NVO)
 


Am Montag, den 16. Januar 1978, versammelten sich Oberglatter Naturinteressierte um 20 Uhr im Saal des Restaurant Hirschen zur Gründung des Naturschutzvereins Oberglatt. Praktisch auf Anhieb traten damals rund 55 Frauen und Männer dem neuen Verein bei. Gabriela Winkler wurde zur ersten Präsidentin gewählt. Die treibende Kraft jedoch, die hinter der Gründung und hinter sämtlichen Aktivitäten des Vereins wirkte, war Rechtsanwalt Albert Brunner. Er übernahm auch drei Jahre nach der Gründung des NVO das Präsidium, da sich Winkler zu Studienzwecken ins Ausland begab. Präsident mit viel Herzblut und unermüdlichem Engagement blieb Albert Brunner bis zu seinem plötzlichen Hinschied am 30. Oktober 2000.

NVO als Investition in die Zukunft


Vor dem historischen Gründungsakt am 16. Januar 1978 hielt der Winterthurer Sekundarlehrer Albert Krebs einen Dia-Vortrag zum Thema «Naturschutz in der Gemeinde». Albert Brunner und seine Weggefährten hatten dieses Thema klug gewählt, denn sie sahen, dass die Erhaltung der Natur eine Investition in die Zukunft und in die Lebensqualität der Oberglatter Bevölkerung ist.

Die konkreten Anliegen, die zur Vereinsgründung führten, waren die damals laufende Güterzusammenlegung (Melioration), das Bestreben, ein kommunales Inventar der schützenswerten Naturobjekte zu erstellen, und das Anliegen, im Chliriet einen Nassstandort einzurichten. «Naturschutz ist zweifellos zu einer modernen Gemeindeaufgabe geworden», schrieb Brunner in einer Mitteilung, in welcher er am 13. Dezember 1977 die Presse auf die bevorstehende Vereinsgründung aufmerksam machte. Den Tätigkeitsbereich des Vereins umschrieb Albert Brunner wie folgt: «Biotopschutz, Tierschutz, Pflanzenschutz, Information – wobei unter dem Titel Biotopschutz die Aufnahme eines Inventars aller wertvollen und schützenswerten Objekte (Hecken, Nassstandorte usw.) und die Pflege von Riedgebieten im Vordergrund stehen dürfte.» Den Bestrebungen des Naturschutzvereins Oberglatt werde die Bevölkerung sicherlich das verdiente Interesse entgegen bringen, «geht es doch um eine Sache, die in der Tat alle berührt», schrieb Brunner.

Vielfältige Tätigkeit


Vieles hat der NVO unter Albert Brunners Ägide erreicht. So verfügt Oberglatt heute über ein detailliertes Inventar der schützenswerten Naturobjekte, und diese präsentieren sich – nicht zuletzt dank dem Einsatz des NVO – in einem recht erfreulichen Zustand. In ungezählten Arbeitsstunden haben die Mitglieder des Naturschutzvereins Oberglatt in diesen 30 Jahren Hecken gepflanzt und gepflegt, zahlreiche Stein- und Asthaufen als Lebensraum und Unterschlupf für Amphibien und Reptilien errichtet, Kästen für brütende Vögel und für Fledermäuse gebaut, aufgehängt und betreut, Wälder und Bachborde von Unrat befreit, naturkundliche Exkursionen und Vorträge mit kompetenten Referenten veranstaltet und vieles mehr.

Speziell erwähnenswert ist zum Beispiel eine grosse Heckenpflanzaktion, die der NVO in Zusammenarbeit mit der Gemeinde am 11. und 12. April 1986 durchgeführt hat. Wie aus den Akten hervorgeht, wurden damals von zahlreichen Freiwilligen aus Vereinen und Parteien rund 1600 Sträucher und Bäume an verschiedenen Orten in Oberglatt gepflanzt. Für den Kauf der Pflanzen und für die Verpflegung der Helferinnen und Helfer sprach der Gemeinderat einen Kredit von 5000 Franken.

Da Brunner Dutzende Schlangenarten in seinen Terrarien hielt, lagen ihm die Reptilien natürlich besonders am Herzen. So wurden in vielen Aktionen tonnenweise Steine und Äste geschleppt, um für diese und andere Tiere eine artgerechte Behausung zu bauen. Auch heute noch werden diese Haufen vom Naturschutzverein gepflegt.

Mit neuer Strategie Verein am Leben erhalten


Nach dem Tod von Albert Brunner, der quasi als «Mister Naturschutzverein» den Hauptteil der organisatorischen Arbeit im Alleingang erledigt hatte, galt es für die verbliebenen Vorstandsmitglieder zu verhindern, dass der NVO in einen permanenten Winterschlaf falle. Rückblickend kann festgestellt werden, dass dies auch gelungen ist. Nachdem Patric Kubli interimistisch das Präsidium für kurze Zeit übernommen hatte, wählte die Generalversammlung am 22. März 2001 Erich Gujer zum neuen NVO-Präsidenten.

«Ich verstehe nichts von Naturschutz, aber einiges von Vereinsführung», sagte Gujer bei seinem Amtsantritt und stapelte – was sein Wissen in Bezug auf den Naturschutz angeht – doch recht tief. In der Folge wurden einige Vorstandssitzungen geopfert, um eine neue Strategie für den Verein zu erarbeiten. Aber auch während dieser Zeit der Neuorientierung liess der NVO seine selbst auferlegten Arbeiten nicht liegen – das reich befrachtete Jahresprogramm konnte sich auch in den Folgejahren durchaus sehen lassen.

Jugendgruppe ins Leben gerufen


Ein besonderes Erfolgserlebnis hatte der NVO-Vorstand zum Beispiel im Jahr 2005, als die Verantwortlichen des Altersheims Siloah ihr Einverständnis gaben, dass an einem ihrer Gebäude acht Nistgelegenheiten für Mauersegler geschaffen würden. Diese werden auch genutzt, wie Beobachtungen ergaben.

Ein grosser Publikumserfolg waren und sind auch die neu eingeführten Jahreszeitenspaziergänge durch die Oberglatter Natur. Diese zeichnen sich nicht nur durch ihren naturkundlichen, sondern auch ihren gesellschaftlichen Wert aus. Erwähnenswert ist auch der ins Leben gerufene Familienparcours «Der Natur auf der Spur», der zweimal mit grossem Erfolg veranstaltet worden ist und künftig im Zweijahresrhythmus stattfinden soll.

In der «Nach-Brunner-Ära» setzte sich der NVO-Vorstand auch für eine Intensivierung und Modernisierung der Öffentlichkeitsarbeit ein. Es wurde ein jährlich neu aufgelegter Prospekt – neudeutsch Flyer genannt – geschaffen. Zudem ist der Verein heute mit einer Website im Internet unter www.naturschutzverein.ch präsent.

Als jüngstes «Kind» der Vorstandsanstrengungen kann die Gründung der Jugendgruppe für Kinder im Alter von etwa 9 bis 13 Jahren durch die beiden Vorstandsmitglieder Cyprian Schnoz und Thomas Galliker genannt werden. Sowohl am Schnupperanlass wie auch an der ersten Veranstaltung, die im September und Oktober 2007 durchgeführt worden sind, zeigte sich, dass gerade Kinder für unsere Natur zu begeistern sind. Bereits zählt die Jugendgruppe über 20 Mädchen und Knaben.

Das «Albert Brunner-Biotop»


Im nun beginnenden Jubiläumsjahr will der Verein, der inzwischen auf knapp 120 Mitglieder angewachsen ist, auf seinen Werdegang zurück blicken, aber dabei die Zukunft nicht ausser Acht lassen. Ein Projekt, das Vergangenheit und Zukunft in geradezu idealer Weise zusammenbringt, ist das nun beim Forbuck entstehende Biotop, das mit dem Legat Albert Brunner, aus Mitteln des NVO und mit einem namhaften Beitrag des Kantons Zürich finanziert wird. Sollte alles planmässig verlaufen, wird die Einweihung dieses Biotops der Höhepunkt des NVO-Jubiläumsjahrs sein.            (Cyprian Schnoz)

Albert Brunner

 
Top